Optisch ansprechend und barrierefrei begehbar: Die Auswahl des Bodenbelags für die Innenstadt-Neugestaltung in Freising erfolgte unter mehreren wichtigen Gesichtspunkten. Diese Seite gibt einen Einblick in den Prozess und das Konzept Barrierefreiheit. 

Das Anliegen: Durch eine zurückhaltende Gestaltung der Oberflächen soll die historische Kulisse in den Blickpunkt gerückt werden. Ziel der Neupflasterung ist ein barrierefreier und behindertengerechter Ausbau der Straßen und Plätze, auf denen Fußgänger*innen und Radfahrer*innen ebenso komfortabel wie Menschen mit Geh- und Sehbehinderung unterwegs sind. Ebenso sollen die Nebengassen gut begehbar sein. Denn ein modernes Stadtzentrum muss Lebens- und Erlebnisraum für alle Menschen sein - unabhängig von Alter und körperlichen Einschränkungen. Auch die Regierung von Oberbayern macht Zuschüsse von einem behindertenfreundlichen und generationenübergreifenden Umbau abhängig. (Weitere Infos unten zum Konzept Barrierefreiheit)

Die Grundsätze: Fixiert hat der Stadtrat, dass Natursteine zum Einsatz kommen. In der Oberen und Unteren Hauptstraße gilt: Die Bereiche entlang der Häuser werden mit größeren Platten ausgestattet, während kleinere im mittleren Straßenbereich zum Einsatz kommen – das alles ohne die üblichen Randsteine (Ausnahme an Bushaltestellen zum barrierefreien Be- und Zusteigen etwa in einer Länge wie der Bus) und ohne eine Fahrspur zu definieren. In den Seitengassen werden ausschließlich die kleineren Platten verlegt.

Gut begehbarer Stadtboden

Die Pflasterauswahl: Bei einem Ortstermin im Dezember 2015, bei dem verschiedene Pflastertypen besichtigt wurden, hat der Stadtrat eine Vorauswahl getroffen. Im Vorfeld waren bereits verschiedene Expert*innen wie ein Sachverständiger für Pflasterbau, der städtische Behindertenbeauftrage, ein Gutachter für barrierefreies Bauen, Architekten des Planungsbüros ST raum a., Stadtheimatpfleger oder auch Vertreter*innen von Aktive City, Gestaltungsbeirat und Innenstadtbeirat beteiligt worden.

Die Musterfläche: Damit sich die Bürger*innen einen Eindruck von den Granitsteinen und der Gestaltung verschaffen können, hat die Stadt im Februar 2016 in der Unteren Hauptstraße 5 (Höhe Hypo-Vereinsbank) eine etwa 40 Quadratmeter große Musterfläche angelegt. Hier wurde der Belag unter winterlichen Bedingungen (Kälte, Schnee, Regen) ebenso wie bei Trockenheit und Wärme auf Herz und Nieren geprüft werden. Aussehen, Rutschfestigkeit, Gehkomfort: All das konnte eingehend getestet werden. Die Musterfläche stellt keine beschlossene Umbauplanung dar! Der Praxistest hat ergeben, dass z. B. bei der Auswahl der Steine mehr auf optische Lebendigkeit geachtet werden muss. Auch wurde die ursprünglich vorgesehene "taktile Kante" modifiziert.

Alternative zur "taktilen Kante": In der Unteren und Oberen Hauptstraße wurde für die Ableitung des Oberflächenwassers sowie für Menschen mit Sehbehinderung folgende Lösung umgesetzt: Im Belag wurde eine 50 Zentimeter breite und nur um 15 Millimeter eingesenkte Entwässerungsrinne aus ebenen Natursteinplatten mit gestrahlter Oberfäche eingebaut. Diese Lösung hat die Stadt gemeinsam mit Geh- und Sehbehinderten, Menschen im Rollstuhl sowie mit der Agenda-Projektgruppe Seniorinnen und Senioren erarbeitet und dann auf der Musterfläche umgesetzt.

Der im Februar 2016 erstellte Flyer zur Musterpflasterfläche


Konzept Barrierefreiheit

Die Stadt Freising hat sich mit dem Beschluss für das Projekt „Neugestaltung der Innenstadt Freising“ bewusst für eine gesamträumliche Neustrukturierung der historischen Altstadt entschlossen. Dieser Beschluss wirkt sich nicht nur auf die Neugestaltung der Belagsflächen, Aufenthaltsqualitäten und der Öffnung der Moosach aus, sondern stellt auch eine Herausforderung hinsichtlich der Entwicklung eines taktilen Leitsystems durch das historische Ensemble dar.

Ankommend am Rande der Altstadt lotsen diverse Elemente der taktilen Leitführung hinein in die Stadt. Es entsteht eine Vernetzung der an die Innenstadt angrenzenden Bereiche, den Seitengassen, bereits bestehenden Wegeverbindungen und dem Zentrum der Altstadt. Hindernisfreie Korridore entlang der Fassadenbereiche und in den Gassen (1,80 bis 2,00 Meter Breite) ermöglichen das nahezu barrierefreie Durchqueren des Stadtkerns mit den zentralen Einrichtungen wie Rathaus, Asamgebäude, Marienplatz, Kriegerdenkmal. Taktile Kanten entlang der Entwässerungsrinnen (1,5 Zentimeter Höhe) - unterstützt durch Bojensteine (visueller Kontrast), eingestreute Steine im Querungsbereichen (visueller Kontrast und gespaltene Oberfläche zur haptischen Erfassung) - gewährleisten eine sichere und systematische Leitung von den Zu- bzw. Ausgängen und durch den gesamten historischen Stadtkern.

Wichtig: Damit der Leitstreifen uneingeschränkt genutzt werden kann, müssen die Entwässerungsrinne sowie ein Korridor von 80 Zentimetern auf beiden Seiten unbedingt freigehalten werden.

Auf dem Weg zur barrierefreien Altstadt: Artikel der Stadt im FINK-Magazin März 2020


Die Innenstadt-Neugestaltung wird im Städtebauförderungsprogramm "Aktive Zentren" mit Mitteln des Bundes und des Freistaats Bayern gefördert.

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